Richie´s Return

"Verdammt nochmal, wie ich es hasse, diesen Papierkrieg." sagt der Mann, der hinter dem Thresen eine Schublade herauszieht und jede Menge Rechnungen, wichtige und unwichtige Schreiben herausnimmt.
Le Blues Bar Er konnte fluchen, denn die Bar hatte schon seit Monaten keine Gäste mehr gesehen. Der Schriftzug "Le Blues Bar" an der Häuserwand war lange nicht mehr angeschaltet worden, denn Joe Dawson, der Besitzer des Ladens, hatte nachdem er von dem Iren Liam O'Rouke entführt worden war und beinahe sein Leben gelassen hätte, Frankreich fluchtartig verlassen. Die Bar stand seither leer.
Irgendwann erreichte ein Steuerbescheid Joe's Briefkasten. So musste er nach Paris kommen, um seine Buchführung ins Reine zu bringen. Aber auch einen privaten Grund gab es für ihn, denn er konnte sich endlich mal wieder mit Duncan und Methos treffen, die schon seit Monaten im nur fünf Stunden entfernten Wegberg wohnten. Die beiden nahmen seine Einladung dankend an und wollten sich am späten Nachmittag mit ihm treffen. Bis dahin hatte Dawson viel Zeit, seinen Bürokram zu erledigen.
Er setzt sich an einen Tisch und fängt an zu sortieren. Er hasst diese Arbeit. Trotzdem führt er sie gewissenhaft aus und heftet die Blätter nach dem Datum in einen Ordner. "3.6.1994" Dawson redet gerne mit sich selbst, "Das ist wirklich lange her und ich glaube diese Rechnung kommt ganz nach hinten". Schnell wird der Stapel weniger und er nimmt ein paar Rechnungen für eine Beerdigung, die hier in Paris stattfand in die Hand. Beim lesen des Blattes kommt er ins Grübeln: "Richie, ist es wirklich schon so lange her?"

Paris 1997
Duncan kniet auf dem Boden. Nebelschwaden ziehen um den leblosen Körper, der vor ihm auf dem Boden liegt, nicht weit daneben der abgetrennte Kopf von Richie. Duncan weint und reicht Methos sein Katana entgegen: "Schlag ihn ab!"

1Jahr später:
Dawson steht vor dem Grab von Richie und trauert.

Paris "Le Blues Bar" 10:15
Ein großer Seufzer kommt über seine Lippen, die Erinnerungen haben ihn sichtlich geschafft. Er geht zum Thresen und nimmt sich ein Glas und eine halbvolle Whiskyflasche. Er setzt sich wieder hin und stellt das Glas vor sich ab. Dann schiebt er das Glas zurück: "Ach was soll´s", setzt die Flasche an und trinkt einen sehr großen Schluck. Nun geht er seine Papiere weiter durch. Ein Bierdeckel, der dazwischen liegt, gleitet zu Boden. Dawson bückt sich, um das Stück Pappe aufzuheben. Er sieht, daß darauf etwas geschrieben steht. "Moment mal", Dawson ist etwas stutzig, "das ist doch Richies Schrift." Er liest, was auf diesen Deckel geschrieben steht.

"Hallo Joe,
ich glaube, ich kann beweisen, daß Duncan nicht verrückt ist.
Habe versucht euch im Boot zu erreichen, doch keiner ging ran.
Es ist 16:30.
Ich habe einen Tip bekommen: Die Lösung liegt in den Katakomben
Richte bitte Duncan aus, daß ich dort bin.
Gruß Richie
P.S. Deine Taschenlampe habe ich mir ausgeliehen."

Da Dawson damals wegen Richies Tod nicht ganz bei der Sache war, hatte er alle Papiere zusammengeräumt und auch diesen Bierdeckel verstaut, ohne ihn zu beachten. Wieso sollte keiner ans Telefon gegangen sein? Methos und er waren doch die ganze Zeit bei Duncan auf dem Boot. Anruf???- Er hatte doch angerufen und Duncan damit zur Rennbahn gelockt!! Er wundert sich, daß Richie so etwas geschrieben hatte. Joe Dawson Dawson weiß nicht warum, doch irgendein Instinkt leitet ihn, in einem, hinter dem Thresen gelegenen Aufenthaltsraum zu gehen. Dort befanden sich noch immer die Tageszeitungen der letzten Jahre, da es keinen gab, der diesen Stapel weggeräumt hätte. Mit ein paar Griffen hatte er die richtigen Zeitungen herausgesucht.
"Dann wollen wir mal sehen." Dawson schwirrte irgendwas durch den Kopf, noch wußte er selber nicht, was es war. Nach dem durchblättern von ein paar Zeitungen, fiel ihm dieser Bericht auf: "Bei U-Bahnarbeiten Teil der Katakomben gesprengt." Danach hatte er gesucht. Es war genau der Tag, an dem Richie auf so tragische Weise ums Leben kam. Dann schüttelt er den Kopf und geht zurück in die Bar."Das ist doch alles absurd." Immer den Bierdeckel im Auge arbeitet sich Dawson durch die Flut seiner Papiere.