Richie´s Return

"Auf was warten wir?" fragt Methos ungeduldig. "Auf einen Wagen." Dawson schaut in linker Richtung, wo sich ein Klein-LKW mit der Beschriftung eines Kanalarbeiterunternehmens nähert. "Nicht schlecht!" meint Duncan, als sie einsteigen. Dawson redete noch mit dem Fahrer, der danach das Pier verläßt, steigt dann auch ein und fährt los. "Das ist ja klasse, auf dem Wagen ist ja alles, was man so braucht, um schön tief zu graben." Methos hat sich auf die rückwertige Bank gesetzt und kann das Wageninnere sehen. Dawson muß sich zwar auf den Pariser Verkehr konzentrieren, was ihn aber nicht daran hindert, das Gespräch aufzunehmen. "Eins von vielen kleinen Arbeitsfahrzeugen, die wir Beobachter haben - So ein Wagen in der Nähe eines Unsterblichen macht weniger Aufsehen." "Und wir fallen nicht so sehr auf, wenn wir uns in die Kanalisation von Paris begeben.", Methos bestätigt mit seinen Worten, daß die Idee von Dawson, sich das Fahrzeug kommen zu lassen, gut war.

Nach einer kurzweiligen Fahrt haben die drei das Ziel erreicht, einen Kanaldeckel, in einer nicht so befahrenden Seitenstraße. Duncan und Methos machen sich gerade daran, den schweren Kanaldeckel zu heben, als ein Streifenwagen neben Joe, der noch am Fahrzeug arbeitete, anhält. "Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein, meine Herren?" fragte Joe mit unschuldiger Miene. "Wir hätten gerne gewußt, was zu dieser späten Tageszeit hier los ist." meint der Fahrer des Streifenwagens. "Ach das ist so, wir haben den Auftrag 2 km Strecke der Kanäle zu prüfen, die von der obersten Behörde wollen bereits Montag den Bericht." Joe hat keine Schwierigkeiten den Beamten eine glaubwürdige Geschichte aufzutischen. "Dann teilt ihr also das schwere Los der Wochenenddiensthabenden mit uns." Sein Beifahrer mischt sich in das Gespräch ein: "Die Einstiegsstelle sollte jedoch ordentlich gesichert werden und sollten ihre Männer nicht Arbeitskleidung tragen?" "Ja, das sind gute Leute, immer eifrig bei der Arbeit, da vergessen sie sogar, sich umzuziehen." Der Fahrer nimmt wieder das Wort auf: "Da wünsch ich euch einen nicht zu langen Arbeitstag!" Während er langsam an Methos und Duncan vorbeirollt ruft Dawson in deren Richtung: "Hey Jungs, wie oft soll ich euch noch sagen, daß ihr Schutzkleidung anziehen sollt!" Die beiden schauen sich etwas verdutzt an, haben aber den Wink verstanden und holen sich Westen aus dem Fahrzeug. Dawson stellt derweil ein Schutzgitter um die Einstiegsstelle, damit nicht noch ein Unglück geschieht während sie unten in den Röhren sind.

Duncan und Methos sind inzwischen mit Lampen und allerlei Wergzeug zurückgekehrt. "Hier, die ist für dich." Duncan drückt Dawson eine Lampe in die Hand und verschwindet durch die Öffnung in das Innere des Kanals. Methos folgt ihm ohne Worte. "Das soll dann wohl heißen, ich muß auch da runter." Dawson meckert ein wenig, als er in Richtung des Loches geht und beim hineinklettern ruft er den andern hinterher: " Falls es keiner von euch bemerkt haben sollte, ich habe eine Behinderung!" Joe hat wirklich etwas Schwierigkeiten, den Grund des Kanals zu erreichen, doch sein Ehrgeiz läßt ihn diese Hürde meistern. Duncan fängt an, mit den Händen die Wände zu betasten. Methos schaut sich das eine Weile an und fragt: "Kannst du mir mal erklären, was du da machst?" Duncan hat bereits einen Meter geschafft. "Ich versuche, was zu spüren." Methos schmunzelt: "Ich habe noch nie was von einer unsterblichen Mauer gehört. "Methos fängt an, sich von den anderen zu entfernen, redet aber ungehindert weiter. "Ich hab mir das so vorgestellt: Wir halten einen Abstand von 20 Metern, das ist nah genug, um unseren eigenen Buzz nicht zu fühlen. Wenn wir dann im langsamen Schritttempo gehen, müsste das reichen, um irgendwas zu spüren."

Methos sollte erst im dritten Anlauf recht behalten, denn erst 5 Stunden später, die Männer waren eine Strecke von 1,5 km unterirdisch etwas mehr als 2 Mal abgelaufen, da stockte Duncan der Atem. "Ich glaub...... Ich glaub ich hab was gespürt." Das war so leise, daß es die anderen fast überhört hatten. "Was?" hakte Dawson noch mal nach. "Ich meine einen Buzz!" Duncan hat sich der Mauer so genähert, als wolle er hindurchgehen. "Nein ich bin mir sicher, einen leichten zwar, aber doch spürbar." Methos und Dawson treten zu Duncan."Kann das nicht sein, daß der Buzz von woanders herkam, der Metro oder von oben?" Joe hat sich ein Plätzchen aus der Tasche gezogen und beißt hinein, nachdem er Duncan die Frage gestellt hat. "Nein ich bin mir vollkommen sicher, es kam von hier." Duncan tastet die Wand ab, als sucht er einen geheimen Eingang. " Wir müssen einfach eine Weile Geduld haben, um ihn nochmals zu fühlen." überlegt Methos, "dann kann ich vielleicht auch was spüren und wir können gemeinsam eine Standortbestimmung machen." Lautlos vergeht die nächste Zeit, keiner bewegt sich, nur Dawson beißt ab und zu mal in seinen Keks. Dann zuckten Methos und Duncan fast gleichzeitig zusammen: Da war er wieder, der leichte, doch erkennbare Buzz. "Ganz klar, genau da wo du stehst, etwa 4 Meter hinter der Mauer." Methos sagt das so sicher, daß keiner der beiden anderen ihn fragt, wie er so genau feststellt, von wo der Buzz kommt.

Jetzt geht alles sehr schnell, ohne weitere Worte werden Stemmeisen, Spaten, Schaufeln und diverses anderes Werkzeug geholt. Schon nach 10 Minuten sind Duncan und Methos zurück, sie stemmen die Wand auf und fangen hastig an zu graben. Duncan und Methos wechseln sich immer wieder ab. Einmal schiebt Duncan den Dreck weg, den Methos abgeschaufelt hatte, ein anderes mal umgekehrt. Schon nach einer halben Stunde waren 2 Meter geschafft und eine Wand aus menschlichen Knochen und Gebeinen muß entfernt werden.Knochen "Bekannte von dir?" fragt Duncan scherzhaft. "Der eine oder andere bestimmt" grinst Methos und räumt die ersten Knochen weg. "Ich war sogar dabei, als ein Teil dieser Knochen hier runter geschafft wurden, um die Friedhöfe zu entlasten." Dawson schaudert ein wenig beim Anblick der Knochen und er wundert sich, daß Duncan und Methos keine Scheu zeigen beim umstapeln der menschlichen Überreste. Nachdem die zwei sämtliche Knochenteile fein säuberlich umgestapelt haben, geht es wieder mit Spaten und Schaufel weiter. Nach etwa 20 Minuten fängt Duncan an zu stottern: "Da ..da ist eine ..eine Hand" Und tatsächlich, Methos fegt ein wenig den Dreck von der Hand, dann wieder ein Buzz, die Hand verkrampft sich und bohrt sich ein wenig in den Lehmboden. Richie Dort war wirklich ein Unsterblicher verschüttet worden. Ohne Worte graben die Drei mit blosen Händen den leblosen Körper aus. In dem selbstgegrabenen Schacht ist kaum Platz, daß sich die drei Männer bewegen können. Nun ziehen sie den Menschen ganz aus seinem ungewollten Gefängnis und es bestätigt sich alles, was die Drei in ihren kühnsten Träumen erhofft haben. Die Person, die sie soeben befreit haben, ist tatsächlich der totgeglaubte Richie.